"Frau Architekt": Ausstellung und Veranstaltungen

02. November 2017

Es ist gut einhundert Jahre her, seit die ersten Frauen in Deutschland ein Architekturstudium mit Diplom abschlossen. Heute sind mehr als die Hälfte der Architektur-Studenten hierzulande weiblich. Doch der Berufseinstieg gelingt nur 30 Prozent Frauen, noch deutlich geringer liegt ihre Quote in Spitzenpositionen. Mit Werkstücken und Lebensläufen von 22 Architektinnnen, die es an die Spitze geschafft haben rückt das Deutsche Architekturmuseum DAM in Frankfurt ihre Leistung nun in den Fokus.


Almut Grüntuch-Ernst (Grüntuch Ernst Architekten) Foto: Edgar Rodtmann

Frauen seien von Natur aus reproduktiv angelegt und würden zu „reizbaren, hermaphroditischen“ Wesen, wenn sie sich zu viel kreativ betätigen. Deshalb sollten sie sich von der Architektur „sehr weit entfernt halten“, empfahl 1908 der Kunstkritiker Karl Scheffler.

Ein Jahr zuvor eröffnete Emilie Winkelmann ein eigenes Architektur-Büro und gewann im gleichen Jahr mit ihrem Entwurf den Wettbewerb für ein Theatergebäude. Die erste selbstständige Architektin Deutschlands hatte bereits als junges Mädchen erste Berufserfahrungen im Baugeschäft des Großvaters gesammelt, anschließend das Zimmermanns-Handwerk erlernt und sogar an der Technischen Hochschule Hannover studiert – obwohl das Frauen zu der Zeit gar nicht erlaubt war. Zum Abschluss wurde Winkelmann dann auch nicht zugelassen – und startete trotzdem eine erfolgreiche Karriere. Doch es sollte noch mehr als 20 Jahre dauern, bis sie in den Bund Deutscher Architekten aufgenommen wurde.

Emilie Winkelmann ist nur ein Beispiel dafür, dass Frauen – neben einem großen Maß an Talent und Durchsetzungswillen – auch ideale Startbedingungen brauchten, um sich im Architektur-Beruf zu behaupten. Welche dazu gehören, lässt sich aus den Lebensläufen der 22 erfolgreichen Architektinnen schließen, die die DAM-Ausstellung präsentiert: ein wohlhabendes Elternhaus, die volle Unterstützung der Familie beim Berufswunsch „Architektin“, eine Wirtschaft mit großem Bedarf an Arbeitskräften und viel Flexibilität.

Auch wenn es heute weit mehr Architektinnen gibt, als zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, so sind sie doch insgesamt immer noch weit weniger zahl- und erfolgreich als ihre männlichen Kollegen – und auch bei weitem nicht so bekannt. Die New Yorker Architektin Susan Rodriguez begründet das so: „Es geht uns weniger darum, die nächste coole Sache zu machen, sondern um den Zweck und den Menschen. Wir bauen keine Monumente für unser Ego“. 

Gibt es wirklich speziell weibliche Architekturpositionen? Darüber wird auf dem internationalen Symposium „Jeanne D´ARCH“ diskutiert, dass am 2. November im DAM beginnt. Es ist nur eine von vielen zusätzlichen Angeboten rund um das Thema „Frau Architekt“. Denn die Ausstellungsmacherinnen kooperieren bei weiteren Veranstaltungen mit diversen Institutionen im Raum Frankfurt, um die Leistung von Architektinnen mehr in den Fokus zu rücken. Ein weiteres Beispiel: die Vortragsreihe zum Thema an der Frankfurt University of Applied Sciences, bei der ab 9. November deutsche Architektinnen von Gesine Weinmiller bis Julia Buschlinger zum Thema Baukultur referieren.